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Gezielte Behandlung des Halsbandscheibenvorfalls (zervikale epidurale Injektion)

Autor: Op. Dr. M. Levent Deniz, Facharzt für Gehirn-, Nerven- & WirbelsäulenchirurgieZuletzt aktualisiert:

Die zervikale epidurale Steroidinjektion (gezielte Injektion beim Halsbandscheibenvorfall) ist ein interventionelles Schmerzverfahren bei starken vorfallbedingten Nacken-, Rücken- und Armschmerzen. Unter Bildkontrolle wird direkt der schmerzverursachende Epiduralraum behandelt. Durch Verringerung von Ödem und Entzündung um die Nervenwurzel lindert sie Schmerzen ohne Operation. Der Eingriff dauert 10–15 Minuten; die Rückkehr nach Hause erfolgt am selben Tag.

Was ist die zervikale epidurale Injektion und wie wirkt sie?

Ein Halsbandscheibenvorfall drückt mechanisch auf die durch den Rückenmarkskanal zu den Armen ziehenden Nervenwurzeln. Daraus entstehen starke Ödeme und Entzündungen der Nervenfasern mit schlafraubenden Nacken-, Rücken- und Armschmerzen. Die zervikale epidurale Steroidinjektion erreicht als nicht operative interventionelle Schmerzbehandlung diesen Bereich unmittelbar. Unter moderner Durchleuchtung wird mit einer speziellen sicheren Kanüle der Epiduralraum um das Rückenmark erreicht und eine Kombination aus Steroid, Lokalanästhetikum, Hyaluronidase und hypertoner NaCl-Lösung injiziert. Die Hauptziele sind:

  • Verringerung von Ödem und Entzündung: Rasche Unterdrückung der Reaktion um die Nervenwurzel vermindert die Schmerzerzeugung des komprimierten Nervs.
  • Wirkung auf Gewebeverklebungen: Das verwendete Enzym Hyaluronidase soll mikroskopische, nervenreizende Verklebungen im Vorfallbereich lösen.

Ablauf

Diese nicht operative Schmerzbehandlung bietet einen komfortablen Ablauf:

  • Vorbereitung und Anästhesie: Keine aufwendige oder belastende Vorbereitung. Es wird ausschließlich die Zugangsstelle örtlich betäubt.
  • Dauer: Die bildgesteuerte Injektion dauert durchschnittlich 10–15 Minuten.
  • Entlassung und Erholung: Nach etwa 30 Minuten Beobachtung gehen unsere Patienten am selben Tag nach Hause. Empfohlen werden 2 Tage Ruhe zu Hause.

Kann die Injektion eine Operation vermeiden? (Erfolgsquote)

Bei vielen Patienten ja: Ein Drittel bis die Hälfte der Patienten, bei denen eine Operation erwogen wird, kann sie nach Injektion vermeiden [3]. Bei Armschmerz besteht ein deutlicher kurzfristiger Nutzen; bei jedem vierten Behandelten wird zusätzlicher Nutzen erwartet, langfristig nimmt die Wirkung ab [1]. In Kombination mit Medikamenten und Physiotherapie verdoppelt sich der Anteil günstiger Ergebnisse nach 3 Monaten gegenüber Medikamenten und Physiotherapie allein (57 % gegenüber 27 %) [2]. Ich betrachte die Injektion daher als Brücke, die eine schmerzfreie Heilungsphase ermöglichen soll.

Welche Risiken bestehen?

In erfahrenen Händen, unter Echtzeitdurchleuchtung und mit Kontrastmittel ist die gezielte Halsinjektion sicher. Wegen der empfindlichen Nachbarschaft von Gefäßen und Nerven muss sie unbedingt bildgesteuert erfolgen. Schwere Komplikationen wie Rückenmarksverletzung, intravaskuläre Injektion oder sehr selten Lähmung sind selten; ein interlaminärer Zugang und partikelfreies Kortison senken dieses Risiko [4]. In einer Studie mit 26.061 interventionellen Schmerzbehandlungen wurden keine bleibenden Nervenschäden oder schweren Blutungen beobachtet; die Nebenwirkungsrate betrug 1,9 %, meist vorübergehendes Ohnmachtsgefühl [5]. Leichte Nackensteifigkeit, lokale Druckempfindlichkeit oder Kopfschmerzen in den ersten 24 Stunden klingen von selbst ab.

Für welche Vorfälle und Patienten ist sie geeignet?

Die epidurale Injektion ist bei einem großen Teil der Patienten mit Halsbandscheibenvorfall ohne dringende Operationsindikation möglich, insbesondere bei vorherrschendem ausstrahlendem Nervenschmerz im Arm. Sie wird auch zur Schmerzlinderung bei zervikaler Spinalkanalstenose vor Erreichen der Operationsschwelle eingesetzt; die Evidenz für die Wirksamkeit bei Halsstenose ist jedoch unzureichend [1]. Bei Rückenmarksbeteiligung (Myelopathie) und fortschreitenden neurologischen Ausfällen ersetzt sie keine chirurgische Entscheidung [1, 3].

Welche Patienten sind nicht geeignet?

Nicht angewandt wird sie bei aktiver Infektion, Blutungs- und Gerinnungsrisiken, schwerer Stoffwechselerkrankung oder schweren Allergien gegen die Medikamente. Patienten unter Blutverdünnung werden vorab gesondert beurteilt.

🩺 Ärztliche Einblicke & klinische Erfahrung

„Der Hals ist anatomisch empfindlich: Rückenmark und Hauptnerven der Arme liegen dicht beieinander. Deshalb müssen zervikale Injektionen mit leistungsfähiger Bildgebung erfolgen, wobei die Nadelspitze millimetergenau am Bildschirm sichtbar ist. Nach meiner klinischen Beobachtung bleibt die epidurale Injektion eine der wirksamsten nicht operativen Behandlungen. Wie beim lumbalen Vorfall kann ich damit viele meiner Patienten ohne Operation behandeln. Aus meiner Erfahrung kann ich sogar sagen, dass die Erfolgsrate meine guten Ergebnisse beim lumbalen Vorfall noch übertrifft.“

Häufig gestellte Fragen

Was ist die gezielte Halsinjektion und wie erfolgt sie?

Ein 10–15-minütiger Eingriff, bei dem unter Bildkontrolle eine Medikamentenkombination (Steroid, Lokalanästhetikum) direkt in den nervenkomprimierenden Bereich am Hals injiziert wird.

Wie hoch ist die Erfolgsquote?

Ein Drittel bis die Hälfte der für eine Operation erwogenen Patienten kann sie nach Injektion vermeiden [3]; Armschmerzen werden kurzfristig deutlich gelindert [1].

Gibt es Risiken und Nebenwirkungen?

Ja, jedoch geringe: Unter Durchleuchtung und bei geeigneter Technik sind schwere Komplikationen selten. Häufiger sind selbstlimitierende Nackensteifigkeit und Kopfschmerzen [4, 5].

Wann wirkt die Injektion?

Nach unserer Erfahrung beginnt die Wirkung meist am 3.–4. Tag und wird innerhalb der ersten 10 Tage deutlich. Sofortige kurze Erleichterung durch das Lokalanästhetikum ist vorübergehend und darf nicht mit der eigentlichen Wirkung verwechselt werden.

Beseitigt sie den Halsbandscheibenvorfall?

Nein, sie löst ihn nicht auf. Sie reduziert Ödem und Entzündung des Nervengewebes und lindert dadurch Schmerz; mit sinkendem Druck nehmen Beschwerden ab. Vorfallgewebe kann durch natürliche körpereigene Abbauprozesse im Laufe der Zeit kleiner werden (Regression).

Welche Medikamente werden verwendet und ist Kortison schädlich?

Hyaluronidase, hypertone NaCl-Lösung, Kortison und Lokalanästhetikum. Durch direkte Zielgabe gelangt nur eine geringe Menge in den übrigen Körper; systemische Nebenwirkungen sind selten und vorübergehend. Diabetes, Blutungsrisiko und andere Medikamente werden vorher geprüft.

Wie viele Sitzungen sind nötig?

Meist eine; selten kann bis zu 3 Sitzungen wiederholt werden.

Wirkt sie bei extrudierten Vorfällen?

Ja, wenn keine dringende chirurgische Situation besteht. Bei extrudierten Vorfällen kann wegen stärkerer Entzündung um den Nerv ein rasches Ansprechen erfolgen. Ohne deutlichen motorischen Kraftverlust ist sie eine der vorrangigen nicht operativen Optionen.

Spürt der Patient Schmerzen?

Nein, die zervikale epidurale Injektion ist ein schmerzfreier Eingriff. Die örtliche Betäubung vorab verhindert erhebliche Schmerzen; lediglich leichter Druck kann wahrgenommen werden. Bei ängstlichen Patienten ist eine leichte Sedierung möglich.

Wie lange ruhen und wann arbeiten?

Nach der Halsinjektion werden 2 Tage Ruhe zu Hause empfohlen. Ab dem 3. Tag können unsere Patienten zu nackenentlastender Bürotätigkeit und leichten Alltagsaufgaben zurückkehren.

Welcher Facharzt führt die Behandlung in Istanbul durch?

Zu den Ärzten gehört Op. Dr. M. Levent Deniz, Facharzt für Neuro- und Wirbelsäulenchirurgie.

Was kostet die Behandlung?

Die Kosten variieren je nach Patient und Krankenhausbedingungen; ein genauer Preis kann erst nach Untersuchung und Beurteilung der Bildgebung festgelegt werden.

Literatur / References

  1. American Academy of Neurology Guidelines Subcommittee. Epidural Steroids for Cervical and Lumbar Radicular Pain and Spinal Stenosis Systematic Review Summary: Report of the AAN Guidelines Subcommittee. Neurology. 2025. PMID: 39938000.
  2. Cohen SP, Hayek S, Semenov Y, et al. Epidural steroid injections, conservative treatment, or combination treatment for cervical radicular pain: a multicenter, randomized, comparative-effectiveness study. Anesthesiology. 2014;121(5):1045-1055. PMID: 25335172.
  3. Bicket MC, Horowitz JM, Benzon HT, Cohen SP. Epidural injections in prevention of surgery for spinal pain: systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Spine J. 2015;15(2):348-362. PMID: 25463400.
  4. Schneider BJ, Maybin S, Sturos E. Safety and Complications of Cervical Epidural Steroid Injections. Phys Med Rehabil Clin N Am. 2018;29(1):155-169. PMID: 29173660.
  5. Carr CM, Plastaras CT, Pingree MJ, et al. Immediate Adverse Events in Interventional Pain Procedures: A Multi-Institutional Study. Pain Med. 2016;17(12):2155-2161. PMID: 28025351.

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