Gezielte Behandlung des Halsbandscheibenvorfalls (zervikale epidurale Injektion)
Autor: Op. Dr. M. Levent Deniz, Facharzt für NeurochirurgieZuletzt aktualisiert:
Die zervikale epidurale Steroidinjektion (gezielte Injektion beim Halsbandscheibenvorfall) ist ein interventionelles Schmerzverfahren bei starken, durch einen Halsbandscheibenvorfall bedingten Nacken- und Rückenschmerzen sowie in den Arm ausstrahlenden Schmerzen. Sie wird unter Bildkontrolle direkt in den Epiduralraum, den Ursprungsort des Schmerzes, verabreicht und zählt zu den nicht operativen Behandlungsverfahren beim Halsbandscheibenvorfall, die durch Verringerung von Ödem und Entzündung um die Nervenwurzel den Schmerz lindern. Der Eingriff dauert 10–15 Minuten; die Rückkehr nach Hause erfolgt am selben Tag.
Deutsche Übersetzung des Videotranskripts (Ton auf Türkisch)
Hallo zusammen, ich bin Dr. Mehmet Levent Deniz, Facharzt für Gehirn-, Nerven- und Wirbelsäulenchirurgie. Ich möchte Ihnen die zervikale epidurale Injektion erläutern, die ich zur nicht operativen Behandlung von Halsbandscheibenvorfällen anwende.
Die zervikale epidurale Injektion bei Patienten mit Halsbandscheibenvorfall und Spinalkanalstenose erfolgt unter bildgebender Kontrolle und örtlicher Betäubung. Nach der örtlichen Betäubung wird die Epiduralnadel unter Durchleuchtung in den Epiduralraum vorgeschoben. Durch Gabe einer kleinen Menge Kontrastmittel in den Epiduralraum wird die Nadellage röntgenologisch überprüft. Anschließend wird eine Kombination aus Steroid, Lokalanästhetikum, Hyaluronidase und hypertoner Natriumchloridlösung injiziert. Ziel ist es, Ödem und Entzündung in diesem Bereich zu verringern, mögliche Verklebungen zu lösen und das vorgefallene Bandscheibengewebe schrumpfen zu lassen, um den schmerzauslösenden Druck zu beseitigen.
Der Eingriff dauert durchschnittlich 10 bis 15 Minuten. Nach etwa 30 Minuten Beobachtung werden die Patienten entlassen.
Ich wünsche Ihnen allen schmerzfreie und glückliche Tage. Bleiben Sie gesund.
Was ist die gezielte zervikale epidurale Injektion?
Sie ist ein nichtoperativer algologischer Eingriff (interventionelles Schmerzverfahren), bei dem unter Bildkontrolle ein Medikament um die Nervenwurzel am Hals injiziert wird. Ein Halsbandscheibenvorfall (zervikaler Bandscheibenvorfall) drückt mechanisch auf die durch den Rückenmarkskanal zu den Armen ziehenden Nervenwurzeln. Daraus entstehen starke Ödeme und Entzündungen der Nervenfasern mit schlafraubenden Nacken-, Rücken- und Armschmerzen.
Wie wirkt die gezielte zervikale epidurale Injektion?
Sie lindert Schmerzen, indem sie Ödem und Entzündung um die Nervenwurzel verringert.
- Verringerung von Ödem und Entzündung: Ödem und Entzündung um die Nervenwurzel werden rasch unterdrückt; der komprimierte Nerv erzeugt weniger Schmerz.
- Wirkung auf Gewebeverklebungen: Das verwendete Enzym Hyaluronidase soll mikroskopische, nervenreizende Verklebungen im Vorfallbereich lösen.
Wie wird die gezielte zervikale epidurale Injektion durchgeführt?
Unter moderner Durchleuchtung wird mit einer speziellen und sicheren Kanüle der Epiduralraum um das Rückenmark erreicht. Dort wird eine Kombination aus Steroid, Lokalanästhetikum, Hyaluronidase und hypertoner Natriumchloridlösung injiziert.
- Vorbereitung und Anästhesie: Vor dem Eingriff ist keine aufwendige oder belastende Vorbereitung nötig. Der Eingriff erfolgt vollständig unter örtlicher Betäubung; nur die Einstichstelle wird betäubt.
- Dauer: Die bildgesteuerte Injektion dauert durchschnittlich 10–15 Minuten.
- Entlassung und Erholung: Nach dem Eingriff werden unsere Patienten nach einer kurzen Beobachtung von etwa 30 Minuten in der Klinik noch am selben Tag zu Fuß nach Hause entlassen. Nach dem Eingriff empfehlen wir unseren Patienten 2 Tage Ruhe zu Hause.
Kann die gezielte Injektion beim Halsbandscheibenvorfall eine Operation vermeiden? (Erfolgsquote)
Bei vielen Patienten ja: Ein Drittel bis die Hälfte der Patienten, bei denen eine Operation erwogen wird, kann sie nach Injektion vermeiden [3]. Bei in den Arm ausstrahlenden Schmerzen besteht ein deutlicher kurzfristiger Nutzen; bei jedem vierten Behandelten wird zusätzlicher Nutzen erwartet, langfristig nimmt die Wirkung ab [1]. In Kombination mit Medikamenten und Physiotherapie verdoppelt sich der Anteil günstiger Ergebnisse nach 3 Monaten gegenüber Medikamenten und Physiotherapie allein (57 % gegenüber 27 %) [2]. Ich betrachte die Injektion daher als Brücke, die dem Patienten eine schmerzfreie Heilungsphase ermöglicht.
Welche Risiken und Nebenwirkungen hat die gezielte zervikale epidurale Injektion?
Die Risikorate ist niedrig: In einer Studie mit 26.061 interventionellen Schmerzbehandlungen wurden keine bleibenden Nervenschäden oder schweren Blutungen beobachtet; die Nebenwirkungsrate betrug 1,9 %, meist vorübergehendes Ohnmachtsgefühl [5]. In erfahrenen Händen, unter Echtzeitdurchleuchtung und mit Kontrastmittel ist die gezielte Halsinjektion sicher. Wegen der empfindlichen Nachbarschaft von Gefäßen und Nerven muss sie unbedingt bildgesteuert erfolgen. Schwere Komplikationen wie Rückenmarksverletzung, intravaskuläre Injektion oder sehr selten Lähmung sind selten; ein interlaminärer Zugang und partikelfreies Kortison senken dieses Risiko [4]. Leichte Nackensteifigkeit, Druckempfindlichkeit an der Einstichstelle oder vorübergehende Kopfschmerzen, die in den ersten 24 Stunden auftreten können, klingen von selbst ab.
Bei welchen Halsbandscheibenvorfällen und welchen Patienten wird die gezielte Injektion angewandt?
Die epidurale Injektion wird bei Patienten mit Halsbandscheibenvorfall ohne dringende Operationsindikation angewandt, insbesondere bei in den Arm ausstrahlenden Schmerzen. Sie wird auch zur Schmerzlinderung bei zervikaler Spinalkanalstenose vor Erreichen der Operationsschwelle eingesetzt; die Evidenz für die Wirksamkeit bei zervikaler Spinalkanalstenose ist jedoch unzureichend [1]. Bei Patienten mit Rückenmarksbeteiligung (Myelopathie) und fortschreitenden neurologischen Ausfällen ersetzt diese Behandlung nicht die Entscheidung zur Operation [1, 3].
Welche Patienten sind für die epidurale Injektionsbehandlung nicht geeignet?
Nicht angewandt wird sie bei aktiver Infektion, Blutungs- und Gerinnungsrisiken, schwerer Stoffwechselerkrankung oder bekannter schwerer Allergie gegen die verwendeten Medikamente. Patienten, die blutverdünnende Medikamente einnehmen, werden vor dem Eingriff gesondert beurteilt.
🩺 Ärztliche Einblicke & klinische Erfahrung
„Die Halsregion ist anatomisch ein empfindlicher Bereich, in dem das Rückenmark und die zu den Armen ziehenden Hauptnerven auf sehr engem Raum liegen. Deshalb müssen zervikale Injektionen mit leistungsfähiger Bildgebung erfolgen, wobei die Nadelspitze millimetergenau am Bildschirm sichtbar ist. In meiner klinischen Praxis beobachte ich Folgendes: Die epidurale Injektionsbehandlung ist auch heute noch eine der wirksamsten Behandlungen außerhalb der Chirurgie. Diese Behandlung ermöglicht es mir, wie beim Lendenbandscheibenvorfall auch beim Halsbandscheibenvorfall viele meiner Patienten ohne Operation zu heilen. Aufgrund meiner klinischen Beobachtungen kann ich sogar mit Überzeugung sagen, dass diese Behandlung eine Erfolgsrate hat, die noch über meinen guten Ergebnissen beim Lendenbandscheibenvorfall liegt.“
Häufig gestellte Fragen
Was ist die gezielte Halsinjektion und wie erfolgt sie?
Ein 10–15-minütiger Eingriff, bei dem unter Bildkontrolle eine Medikamentenkombination (Steroid, Lokalanästhetikum) direkt in den nervenkomprimierenden Bereich am Hals injiziert wird.
Wie lange dauert die gezielte zervikale Injektion?
Der Eingriff dauert durchschnittlich 10–15 Minuten.
Wie lange bleibe ich danach im Krankenhaus?
Nach etwa 30 Minuten klinischer Beobachtung erfolgt die Entlassung.
Wie hoch ist die Erfolgsquote?
Ein Drittel bis die Hälfte der für eine Operation erwogenen Patienten kann sie nach Injektion vermeiden [3]; Armschmerzen werden kurzfristig deutlich gelindert [1].
Gibt es Risiken und Nebenwirkungen?
Ja, jedoch geringe: Die Nebenwirkungsrate betrug 1,9 % und bestand überwiegend aus vorübergehendem Ohnmachtsgefühl [5]. Unter Durchleuchtung und mit geeigneter Technik sind schwere Komplikationen selten; zu den häufigsten, von selbst abklingenden Nebenwirkungen gehören vorübergehende Nackensteifigkeit und Kopfschmerzen [4, 5].
Wann wirkt die Injektion?
Die Wirkung beginnt meist am 3.–4. Tag nach dem Eingriff und wird bei den meisten Patienten innerhalb der ersten 10 Tage deutlich. Sofortige kurze Erleichterung durch das Lokalanästhetikum ist vorübergehend und darf nicht mit der eigentlichen Wirkung verwechselt werden.
Beseitigt sie den Halsbandscheibenvorfall?
Nein, die Injektion löst den Vorfall nicht auf. Sie verringert Ödem und Entzündung am Nervengewebe und stillt dadurch den Schmerz; mit nachlassendem Druck gehen die Beschwerden des Patienten zurück. Vorfallgewebe kann durch natürliche körpereigene Abbauprozesse im Laufe der Zeit kleiner werden (Regression).
Welche Medikamente werden verwendet?
Zum Einsatz kommen Kortison, ein Lokalanästhetikum, Hyaluronidase und hypertone Natriumchloridlösung. Diabetes, Blutungsrisiko und weitere eingenommene Medikamente werden vor dem Eingriff beurteilt.
Ist das bei der gezielten Injektion verwendete Kortison schädlich?
Das Risiko ist gering: Weil das Kortison direkt an die Zielstelle verabreicht wird, gelangt nur eine kleine Menge in den Körper; den ganzen Körper betreffende Nebenwirkungen sind selten und vorübergehend.
Wie viele Sitzungen werden durchgeführt?
Bei den meisten Patienten wird eine Sitzung durchgeführt; selten kann die Behandlung auf bis zu 3 Sitzungen wiederholt werden.
Ist die gezielte Injektion bei geplatzten Halsbandscheibenvorfällen wirksam?
Ja, sie kann angewandt werden, wenn keine klinische Situation vorliegt, die eine dringende Operation erfordert. Bei geplatzten Vorfällen, bei denen Bandscheibengewebe ausgetreten ist (extrudiert), ist die Entzündung um den Nerv stärker, sodass die Injektion rasch ansprechen kann. Ohne deutlichen motorischen Kraftverlust ist sie eine der nicht operativen Optionen der ersten Wahl.
Spürt der Patient Schmerzen?
Leichter Druck ist spürbar; Schmerzen sind gewöhnlich leicht und kurz, weil der Eingriff unter örtlicher Betäubung erfolgt. Bei ängstlichen Patienten ist während des Eingriffs eine leichte Sedierung (ein entspannender Dämmerschlaf) möglich.
Was ist nach der gezielten Injektion zu tun, und wann kann ich wieder arbeiten?
Nach etwa 30 Minuten klinischer Beobachtung erfolgt die Entlassung. Danach werden 2 Tage Ruhe zu Hause empfohlen. Ab dem 3. Tag können die Patienten zu Schreibtischarbeit und leichten Alltagstätigkeiten zurückkehren, die den Nacken nicht belasten.
Welcher Facharzt führt die gezielte Injektion beim Halsbandscheibenvorfall in Istanbul durch?
Zu den Ärzten, die in Istanbul die gezielte Injektion beim Halsbandscheibenvorfall durchführen, gehört Op. Dr. M. Levent Deniz, Facharzt für Neurochirurgie.
Was kostet die Behandlung?
Die Kosten variieren je nach Patient und Krankenhausbedingungen; ein genauer Preis kann erst nach Untersuchung und Beurteilung der Bildgebung festgelegt werden.
Literatur / References
- American Academy of Neurology Guidelines Subcommittee. Epidural Steroids for Cervical and Lumbar Radicular Pain and Spinal Stenosis Systematic Review Summary: Report of the AAN Guidelines Subcommittee. Neurology. 2025. PMID: 39938000.
- Cohen SP, Hayek S, Semenov Y, et al. Epidural steroid injections, conservative treatment, or combination treatment for cervical radicular pain: a multicenter, randomized, comparative-effectiveness study. Anesthesiology. 2014;121(5):1045-1055. PMID: 25335172.
- Bicket MC, Horowitz JM, Benzon HT, Cohen SP. Epidural injections in prevention of surgery for spinal pain: systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Spine J. 2015;15(2):348-362. PMID: 25463400.
- Schneider BJ, Maybin S, Sturos E. Safety and Complications of Cervical Epidural Steroid Injections. Phys Med Rehabil Clin N Am. 2018;29(1):155-169. PMID: 29173660.
- Carr CM, Plastaras CT, Pingree MJ, et al. Immediate Adverse Events in Interventional Pain Procedures: A Multi-Institutional Study. Pain Med. 2016;17(12):2155-2161. PMID: 28025351.
- 👨⚕️ Autor und medizinischer Prüfer dieses Inhalts: Op. Dr. M. Levent Deniz – Facharzt für Neurochirurgie
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