Nukleoplastie beim lumbalen Bandscheibenvorfall
Autor: Op. Dr. M. Levent Deniz, Facharzt für NeurochirurgieZuletzt aktualisiert:
Die Nukleoplastie ist ein interventionelles Schmerzverfahren zur nicht operativen Behandlung des lumbalen Bandscheibenvorfalls. Durch Senkung des Drucks innerhalb der Bandscheibe reduziert sie Nervendruck und Schmerzen. Sie dauert unter örtlicher Betäubung und Bildkontrolle etwa 30 Minuten und erfordert keinen stationären Aufenthalt. Sie wird ausschließlich bei kleinen und mittelgroßen, nicht extrudierten (umschlossenen) Vorfällen angewandt und eignet sich nicht für jeden Bandscheibenvorfall.
Deutsche Übersetzung des Videotranskripts (Ton auf Türkisch)
Die Nukleoplastie wird besonders bei mittig gelegenen (medianen) Lendenbandscheibenvorfällen bevorzugt und erfolgt unter bildgebender Kontrolle und örtlicher Betäubung. Nach dem Einführen einer speziellen Elektrode in die Bandscheibe wird ein als Radiofrequenz bezeichneter Strom abgegeben, der gepulsten Radiowellen ähnelt.
Ziel ist es, den Druck im Inneren der Bandscheibe zu senken, damit sich der vorgefallene Anteil in den Bandscheibenraum zurückzieht und der schmerzauslösende Druck auf den Nerv beseitigt wird. Der Eingriff dauert 15 bis 20 Minuten.
Was ist Nukleoplastie?
Die Nukleoplastie gehört zu den Methoden der Behandlung des lumbalen Bandscheibenvorfalls. Als nichtoperativer algologischer Eingriff (interventionelles Schmerzverfahren) senkt sie den Druck innerhalb der Bandscheibe und reduziert so den Druck auf den Nerv.
Wie wirkt Nukleoplastie?
Sie vermindert den Druck innerhalb der Bandscheibe, sodass das vorgefallene Gewebe den Nerv weniger belastet und die Schmerzen nachlassen.
- Drucksenkung: Die über die Nadel abgegebene Energie (Plasma/Radiofrequenz/Laser) reduziert kontrolliert Volumen und Druck in der Bandscheibe.
- Verringerung von Nervendruck und Schmerzen: Mit dem sinkenden Druck nimmt der Druck des vorgefallenen Bandscheibengewebes auf die Nervenwurzel ab, der Schmerzen in Bein und unterem Rücken verursacht.
Wie wird Nukleoplastie durchgeführt?
Unter Bildkontrolle wird eine dünne Nadel (Kanüle) in die Bandscheibe eingeführt. Kaltplasma-, Laser- oder Radiofrequenzenergie senkt den Druck im Inneren der Bandscheibe.
- Vorbereitung: Eine aufwendige Vorbereitungsphase ist nicht nötig.
- Anästhesieform: Der Eingriff erfolgt im Operationssaal unter örtlicher Betäubung, bei der nur der betroffene Bereich betäubt wird. Bei Bedarf kann zusätzlich eine leichte Sedierung (Dämmerschlaf) erfolgen.
- Dauer: Der gesamte Eingriff dauert durchschnittlich nur etwa 30 Minuten.
- Entlassung und Erholung: Nach etwa 1–2 Stunden klinischer Beobachtung können unsere Patienten am selben Tag auf eigenen Beinen nach Hause zurückkehren. Empfohlen werden lediglich 2 Tage Ruhe zu Hause.
Kann Nukleoplastie von einem Bandscheibenvorfall befreien? (Erfolgsquoten)
Ja: In einer türkischen Studie mit 52 Patienten sank der Schmerzscore auf einer Skala von 10 innerhalb eines Jahres von 7,5 auf 2,1; 94 % setzten Schmerzmittel ab oder reduzierten sie [3]. Bei richtiger Patientenauswahl ist sie eine wirksame nichtoperative Option bei nicht extrudierten, umschlossenen Vorfällen. Studien zeigen eine langfristige Schmerzlinderung, allerdings haben die meisten keine Vergleichsgruppe [2, 4]. Bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen ohne Bandscheibenvorfall sank die Zufriedenheit im Fünfjahresverlauf von 88 % auf 63 % [5].
Welche Risiken und Nebenwirkungen hat Nukleoplastie?
Die Risikorate ist niedrig: Für die lumbale Nukleoplastie wurde eine Gesamtkomplikationsrate von 1,8 % ermittelt; die große Mehrheit der Ereignisse war vorübergehend und leicht [2]. Der Eingriff erfolgt unter Bildkontrolle. Da nur eine dünne Nadel in den Bandscheibenraum eingeführt wird, ist das Risiko für Gewebeverklebungen (epidurale Fibrose) und ausgedehnte Gewebeschäden deutlich geringer als bei offener Chirurgie. Schwere Komplikationen wie Nervenverletzungen oder Infektionen des Bandscheibenraums (Diszitis) wurden nur in seltenen Fallberichten beschrieben [2, 4].
Für welche Vorfälle und Patienten eignet sich Nukleoplastie?
Anders als die gezielte Injektionstherapie eignet sich Nukleoplastie nicht für jeden Bandscheibenvorfall. Sie wird nur bei kleinen und mittelgroßen, nicht extrudierten (umschlossenen) Vorfällen angewandt. Die Bandscheibenstruktur und das Ausmaß des Vorfalls begrenzen ihren Einsatz. Die besten Ergebnisse wurden bei Vorfällen unter 6 mm erzielt, wenn mindestens 50 % der Höhe im Vergleich zu benachbarten Bandscheiben erhalten waren und die äußere Hülle (Anulus fibrosus) intakt war [3]. Bei fortgeschrittener Degeneration sind die Ergebnisse schlechter [5].
Für welche Patienten eignet sich Nukleoplastie nicht?
- Extrudierten oder sequestrierten Vorfällen mit abgelöstem Fragment.
- Abgenutzten (degenerierten) Bandscheiben mit Höhenverlust und beeinträchtigter Integrität.
- Patienten mit hohem Blutungsrisiko und schweren Stoffwechselproblemen.
Für wen eignet sich Nukleoplastie, für wen eine gezielte Injektion?
Nukleoplastie wird nur bei nicht extrudierten Vorfällen angewandt; eine gezielte epidurale Injektion kann dagegen bei einer wesentlich größeren Patientengruppe einschließlich extrudierter Vorfälle eingesetzt werden. Sie wirkt unabhängig von der Bandscheibenstruktur unmittelbar auf Ödem und Entzündungsreaktion um die Nervenwurzel. Daher ist sie auch bei degenerierten Bandscheiben und begleitender Spinalkanalstenose möglich. Bei den meisten Patienten mit Bedarf an nichtoperativer Behandlung wird deshalb die epidurale Injektion, bei einer ausgewählten Gruppe die Nukleoplastie bevorzugt.
🩺 Ärztliche Einblicke & klinische Erfahrung
„Als Arzt, der seit vielen Jahren sowohl chirurgische als auch interventionelle Schmerzverfahren bei Wirbelsäulenerkrankungen intensiv anwendet, möchte ich betonen: Bei korrekter Indikation ist Nukleoplastie eine wirksame Methode, die eine Operation erspart, aber sie eignet sich nicht für jeden Patienten mit Bandscheibenvorfall. Nur ein Teil der Patienten, die eine nicht operative Behandlung benötigen, kommt dafür infrage. Ihr Erfolg liegt in der richtigen Auswahl: Der Vorfall darf noch nicht extrudiert sein, die Integrität der Bandscheibe muss erhalten und die Nervenkompression früh erkannt sein.“
Häufig gestellte Fragen
Was ist Nukleoplastie und wie wird sie durchgeführt?
Eine nicht operative Behandlung des Bandscheibenvorfalls, bei der eine dünne Nadel in die Bandscheibe eingeführt und der intradiskale Druck gesenkt wird. Sie erfolgt unter Bildkontrolle und örtlicher Betäubung.
Wie hoch ist die Erfolgsquote?
Bei 56 % der mit Nukleoplastie behandelten Patienten war innerhalb von 2 Jahren kein weiterer Eingriff nötig (bei wiederholter Injektion 28 %) [1]. In einer türkischen Studie hatten nach einem Jahr 94 % die Schmerzmitteleinnahme beendet oder reduziert [3].
Gibt es Risiken und Nebenwirkungen?
Ja, jedoch geringe: Die Komplikationsrate der lumbalen Nukleoplastie beträgt 1,8 %, überwiegend leichte, vorübergehende Ereignisse [2].
Wann beginnt die Wirkung der Nukleoplastie?
Meist wird sie innerhalb von 1–2 Wochen nach dem Eingriff spürbar.
Entfernt Nukleoplastie den Vorfall?
Nein, sie schneidet den Vorfall nicht heraus. Durch Drucksenkung in der Bandscheibe mindert sie den Druck des vorgefallenen Gewebes auf den Nerv.
Wie viele Sitzungen werden bei der Nukleoplastie durchgeführt?
Die Nukleoplastie erfolgt in einer Sitzung.
Wirkt Nukleoplastie bei extrudierten Vorfällen?
Nein. Bei extrudierten oder sequestrierten Vorfällen ist die äußere Hülle gerissen, sodass eine intradiskale Drucksenkung den Vorfall nicht beeinflusst. Als interventionelle Schmerzbehandlung wird hier die gezielte epidurale Injektion eingesetzt.
Sind Flug- und Busreisen danach möglich?
Ja, 48 Stunden nach dem Eingriff ist ein Kurzstreckenflug möglich. Bei langen Busreisen ist es angenehmer, 1 Woche zu warten und die Wirbelsäule unterwegs zu stützen, damit das Nervenödem abklingen kann.
Kann ich operiert werden, wenn Nukleoplastie nicht hilft?
Ja. Die Methode beeinträchtigt weder die anatomische Integrität der Wirbelsäule noch das Knochengewebe. Sie steht daher einer später erforderlichen mikrochirurgischen Operation nicht im Weg.
Besteht die Gefahr einer Nervenverletzung oder Lähmung?
Das Lähmungsrisiko ist sehr gering. Schwere Nervenverletzungen wurden lediglich in seltenen Fallberichten beschrieben [2, 4].
Spüre ich während einer Nukleoplastie Schmerzen?
Ein leichtes Stechen oder Druckgefühl ist spürbar; unter örtlicher Betäubung sind die Schmerzen gewöhnlich leicht und kurz. Bei Bedarf kann zur Entspannung eine leichte Sedierung ergänzt werden.
Was unterscheidet Nukleoplastie von der gezielten epiduralen Injektion?
Die Injektion zielt auf Entzündung und Ödem um den Nerv; Nukleoplastie senkt den Druck innerhalb der Bandscheibe. Deshalb eignet sich die Injektion für eine wesentlich breitere Patientengruppe, Nukleoplastie hingegen nur für nicht extrudierte Vorfälle mit erhaltener Bandscheibenhöhe.
Wie lange dauert eine Nukleoplastie?
Etwa 30 Minuten.
Wie lange bleibe ich nach einer Nukleoplastie im Krankenhaus?
Ein stationärer Aufenthalt ist nicht erforderlich. Nach etwa 1–2 Stunden Beobachtung erfolgt die Entlassung am selben Tag.
Was ist nach der Nukleoplastie zu tun, und wann kann ich wieder arbeiten?
Nach 2 Tagen Ruhe zu Hause können Patienten am 3. Tag zur Schreibtischarbeit und zu Alltagsaktivitäten zurückkehren. Intensiver Sport und schweres Heben werden nach der Kontrolluntersuchung geplant.
Welcher Facharzt führt Nukleoplastie in Istanbul durch?
Zu den Ärzten, die die Nukleoplastie in Istanbul durchführen, gehört Op. Dr. M. Levent Deniz, Facharzt für Neurochirurgie.
Was kostet die Behandlung?
Die Kosten variieren je nach Patient und Krankenhausbedingungen; ein genauer Preis kann erst nach Untersuchung und Beurteilung der Bildgebung festgelegt werden.
Literatur / References
- Gerszten PC, Smuck M, Rathmell JP, et al. Plasma disc decompression compared with fluoroscopy-guided transforaminal epidural steroid injections for symptomatic contained lumbar disc herniation: a prospective, randomized, controlled trial. J Neurosurg Spine. 2010;12(4):357-371. PMID: 20201654. PubMed
- Eichen PM, Achilles N, Konig V, et al. Nucleoplasty, a minimally invasive procedure for disc decompression: a systematic review and meta-analysis of published clinical studies. Pain Physician. 2014;17(2):E149-E173. PMID: 24658486. PubMed
- Mirzai H, Tekin I, Yaman O, Bursali A. The results of nucleoplasty in patients with lumbar herniated disc: a prospective clinical study of 52 consecutive patients. Spine J. 2007;7(1):88-92. PMID: 17197339. PubMed
- Gerges FJ, Lipsitz SR, Nedeljkovic SS. A systematic review on the effectiveness of the Nucleoplasty procedure for discogenic pain. Pain Physician. 2010;13(2):117-132. PMID: 20309378. PubMed
- Ren DJ, Liu XM, Du SY, Sun TS, Zhang ZC, Li F. Percutaneous Nucleoplasty Using Coblation Technique for the Treatment of Chronic Nonspecific Low Back Pain: 5-year Follow-up Results. Chin Med J (Engl). 2015;128(14):1893-1897. PMID: 26168829. PubMed
- 👨⚕️ Autor und medizinischer Prüfer dieses Inhalts: Op. Dr. M. Levent Deniz – Facharzt für Neurochirurgie
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