Zum Inhalt springen

Wirbelgleiten (Spondylolisthesis) und Behandlung

Autor: Op. Dr. M. Levent Deniz, Facharzt für Gehirn-, Nerven- & WirbelsäulenchirurgieZuletzt aktualisiert:

Zusammenfassung

Wirbelgleiten (Spondylolisthesis) bezeichnet die meist nach vorne gerichtete Verschiebung eines Wirbels gegenüber dem darunterliegenden. Ist das Gleiten unbeweglich und bestehen keine neurologischen Befunde, sind Physiotherapie, Korsett und Injektionen die erste Stufe. Bei beweglichem Gleiten und deutlichen Beschwerden durch Nervenkompression kommt eine stabilisierende Schrauben-Fusionsoperation infrage.

Op. Dr. M. Levent Deniz und sagittale Lenden-MRT eines Patienten mit Wirbelgleiten (Spondylolisthesis); ein unterer Lendenwirbel ist nach vorne verschoben
MRT bei Wirbelgleiten: Ein Wirbel ist gegenüber dem darunterliegenden nach vorne verschoben.

Was ist Wirbelgleiten und wodurch entsteht es?

In einer gesunden Wirbelsäule sind die Wirbel geordnet übereinander angeordnet. Ihre vorderen und hinteren Kanten liegen normalerweise exakt auf gleicher Linie mit den Kanten des darüber- und darunterliegenden Wirbels. Vorne verbinden Bandscheiben, hinten Facettengelenke die Wirbel fest miteinander. Werden diese Verbindungen beschädigt, kann ein Wirbel gegenüber dem anderen meist nach vorne gleiten: die Spondylolisthesis. Die häufigsten Ursachen sind:

  • Degeneration: Altersbedingter Verschleiß von Bandscheiben und Facettengelenken.
  • Verletzungen: Stürze, Unfälle oder plötzliche übermäßige Wirbelsäulenbelastung.
  • Frühere Wirbelsäulenoperationen: Verlust der Stabilität nach bestimmten Eingriffen.

Welche Symptome verursacht Spondylolisthesis?

Nicht jedes Wirbelgleiten verursacht Symptome; manchmal wird es zufällig in der Bildgebung entdeckt. Wenn sich auf der betroffenen Höhe der Wirbelkanal und die Nervenaustrittskanäle verengen (Spinalkanalstenose), geraten Nervenwurzeln unter Druck. Dann entstehen Rücken- und Beinschmerzen, Taubheit, Brennen und deutliche Gehbeschwerden (neurogene Claudicatio).

Behandlung des Wirbelgleitens

Die Strategie hängt davon ab, ob das Gleiten „beweglich“ ist:

  • Bewegliches Wirbelgleiten: Ändert sich das Ausmaß auf dynamischen Röntgenaufnahmen bei Bewegung deutlich, ist die Wirbelsäule auf dieser Höhe beweglich. Beweglichkeit allein begründet keine Operation; Schmerzen, Nervenkompression, neurologische Befunde, Alltagseinschränkungen und Gleitgrad werden gemeinsam bewertet. Bei beweglichem Gleiten mit deutlichen Beschwerden kommen Fusion und Schraubeninstrumentierung infrage.

  • Unbewegliches Wirbelgleiten (spontane Fusion): Bei manchen Patienten führen Höhenverlust der Bandscheibe und knöcherne Veränderungen mit der Zeit zu einer spontanen erneuten Fixierung. Ist dann die Nervenkompression das Hauptproblem, sind keine Schrauben nötig; die Beurteilung erfolgt nach den Protokollen zur Behandlung der Spinalkanalstenose. Bei stabiler Wirbelsäule genügt eine Dekompression ohne Schrauben.

Nicht operative Möglichkeiten und interventionelle Schmerztherapie

Bei stabilem Gleiten ohne neurologische Befunde beginnt die Behandlung nicht operativ:

  • Physiotherapie und Übungen zur Stärkung von Rücken- und Bauchmuskulatur
  • Kurzzeitige Korsettunterstützung in der akut schmerzhaften Phase
  • Epidurale gezielte Injektion bei Beinschmerzen durch Nervenwurzelkompression
  • Radiofrequenzdenervation bei facettengelenkbedingten Rückenschmerzen

Operation: spinale Instrumentierung und Fusion

Ziel ist, zwei gegeneinander gleitende instabile Wirbel ruhigzustellen und dauerhaft knöchern miteinander zu verbinden (Fusion). Diese biologische Knochenheilung wird in den Monaten nach der Operation abgeschlossen. Bei geplanter Fusion werden die beweglichen Wirbel mit Schrauben fixiert, um das Segment während der Einheilung zu stützen. Dazu gehören:

  • Spinale Instrumentierung: Mechanische Stabilisierung mittels Schrauben-Stab-Systemen, im türkischen Sprachgebrauch als „Platinimplantation“ bekannt.
  • Transpedikuläre Fixierung und interkorporelle Fusion: Eine Kombination aus Schrauben und speziellen Käfigen im Bandscheibenraum gewährleistet eine feste Stabilisierung.

Moderner Ansatz: minimalinvasive Operation (TLIF)

Bei geeigneten Patienten kann minimalinvasiv mittels TLIF operiert werden; dabei wird weniger Muskelgewebe beeinträchtigt. Weitere Informationen finden Sie unter minimalinvasive Operation bei Wirbelgleiten.

Ergebnisse operativer und nicht operativer Behandlung

Bei den meisten nicht operierten Patienten bleibt der Zustand jahrelang unverändert: 76 % ohne neurologische Befunde blieben auch nach 10 Jahren ohne solche Befunde. Bei Patienten mit neurologischen Zeichen wie Kraftverlust, die eine Operation ablehnten, verschlechterte sich dagegen der Zustand in 83 % [1]. Ohne neurologische Befunde ist deshalb eine nicht operative Behandlung die erste Stufe [2].

Bei operationsbedürftigen Patienten verbesserten sich Schmerzen und Alltagsfunktionen nach Operation stärker als unter nicht operativer Beobachtung; dieser Unterschied blieb 4 Jahre bestehen [3, 4]. Der Schraubenbedarf wird individuell beurteilt: Bei leichtem Gleiten verbesserte zusätzliche Instrumentierung in einer Studie die Lebensqualität [5], während eine größere Studie ohne Schrauben das gleiche Ergebnis fand [6].

🩺 Ärztliche Einblicke & klinische Erfahrung

„Als Arzt, der seit vielen Jahren sowohl mikrochirurgisch als auch interventionell schmerztherapeutisch behandelt und nicht operative Behandlung stets bevorzugt, möchte ich sagen: Bei beweglichem Wirbelgleiten bieten unsere nicht operativen Verfahren keine deutliche, dauerhafte Erleichterung; in meiner Praxis habe ich erlebt, dass sie das Problem nur aufschieben. Gleichzeitig verstehe ich die Angst vor Lähmung sehr gut, wenn ich meinen Patienten sage: ‚Sie benötigen Schrauben.‘ Ich setze sie mit meiner mikrochirurgischen Erfahrung und unter Neuromonitoring ein, das die Nervensignale während der Operation live überwacht. Bei beweglichem Gleiten wirken Schrauben wie ein innerer Gips zum Schutz der Wirbelsäule. Ziel ist nicht, den Rücken unbeweglich zu machen, sondern die Nerven zu entlasten und den Patienten wieder freies Gehen zu ermöglichen.“

Häufig gestellte Fragen

Verursacht Wirbelgleiten Beinschmerzen?

Ja, sie gehören zu den belastendsten Symptomen. Durch das Gleiten verengt sich der Nervenkanal und komprimiert die Wurzeln mechanisch. Schmerzen vom Gesäß bis zur Ferse, ischiasähnliche Beschwerden und Taubheit können entstehen.

Bessert sich Wirbelgleiten ohne Operation?

Der verschobene Knochen kehrt ohne Operation nicht an seinen Platz zurück; Schmerzen und nervenbedingte Beschwerden lassen sich jedoch nicht operativ lindern. Bei manchen Patienten stabilisiert sich das Segment im Laufe der Zeit von selbst erneut.

Droht ohne Operation eine Lähmung?

Nein, nicht jedes Wirbelgleiten führt zu Lähmung; die meisten Patienten ohne neurologische Befunde bleiben lange stabil. Fortschreitender Kraftverlust, deutliche Gangstörungen oder neue Blasen-/Darmkontrollprobleme erfordern jedoch dringende Abklärung.

Beeinflusst Wirbelgleiten einen Bandscheibenvorfall?

Ja, es kann die Belastung von Bandscheibe und Facettengelenken auf dieser Höhe erhöhen. Nicht jedes Wirbelgleiten verursacht jedoch einen Vorfall.

Darf man mit Wirbelgleiten Sport treiben?

Ja, die Auswahl muss jedoch Art, Grad und Stabilität des Gleitens sowie die aktuellen Beschwerden berücksichtigen. Wiederholte schmerzverstärkende Überstreckungen, stoßintensive Kontaktsportarten oder schwere Belastung können bei manchen Patienten eingeschränkt werden. Das Training sollte durch einen Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin oder einen wirbelsäulenerfahrenen Arzt individualisiert werden.

Hilft Schwimmen?

Ja, den meisten Patienten: Der Wasserauftrieb reduziert die Wirbelsäulenbelastung. Es gibt nicht die eine „beste Sportart“; die Wahl richtet sich nach Gleitgrad und Beschwerden.

Sind Implantate immer notwendig?

Nein, bewegliches Gleiten allein entscheidet nicht über Schrauben. Beschwerdeschwere, neurologische Befunde, Nervenkompression, Gleitgrad und Auswirkungen der geplanten Dekompression auf die Stabilität werden gemeinsam beurteilt. Bei deutlicher Beweglichkeit und deutlichen Beschwerden kommen Schrauben-Stab-Systeme infrage.

Kann ein Korsett Wirbelgleiten behandeln?

Nein, es korrigiert das Gleiten nicht, sondern stützt in schmerzhaften Phasen und begrenzt Bewegung. Langfristige Nutzung schwächt die Rückenmuskeln.

Was unterscheidet Wirbelgleiten vom Bandscheibenvorfall?

Beim Vorfall verlagert sich die weiche Bandscheibe zwischen den Wirbeln. Beim Wirbelgleiten verschiebt sich der Wirbelknochen selbst als Ganzes. Es ist daher ein strukturelleres, meist stabilitätsbeeinträchtigendes Problem.

Warum werden Funktionsröntgenaufnahmen in Beugung und Streckung benötigt?

Nur Aufnahmen beim Vor- und Rückbeugen zeigen, ob das Gleiten beweglich ist; statische MRT- oder Röntgenbilder zeigen dies nicht. Beweglichkeit gehört zu den wichtigen Befunden der Operationsentscheidung.

Wie wirksam sind epidurale Injektionen und Radiofrequenz gegen Schmerzen?

Sie bieten vorübergehende Erleichterung von Bein- und Rückenschmerzen, behandeln jedoch nicht das Gleiten selbst. Für Patienten, die keine Operation wünschen oder ein hohes Operationsrisiko haben, sind sie wertvolle Optionen.

Welcher Facharzt behandelt Wirbelgleiten in Istanbul?

Zu den Ärzten gehört Op. Dr. M. Levent Deniz, Facharzt für Neuro- und Wirbelsäulenchirurgie.

Was kostet die Behandlung?

Die Kosten variieren je nach Patient und Krankenhausbedingungen; ein genauer Preis kann erst nach Untersuchung und Beurteilung der Bildgebung festgelegt werden.

Literatur / References

  1. Matsunaga S, Ijiri K, Hayashi K. Nonsurgically managed patients with degenerative spondylolisthesis: a 10- to 18-year follow-up study. J Neurosurg. 2000;93(2 Suppl):194-198. PMID: 11012048.
  2. Kalichman L, Hunter DJ. Diagnosis and conservative management of degenerative lumbar spondylolisthesis. Eur Spine J. 2008;17(3):327-335. PMID: 18026865.
  3. Weinstein JN, Lurie JD, Tosteson TD, et al. Surgical versus nonsurgical treatment for lumbar degenerative spondylolisthesis. N Engl J Med. 2007;356(22):2257-2270. PMID: 17538085.
  4. Weinstein JN, Lurie JD, Tosteson TD, et al. Surgical compared with nonoperative treatment for lumbar degenerative spondylolisthesis. four-year results in the Spine Patient Outcomes Research Trial (SPORT) randomized and observational cohorts. J Bone Joint Surg Am. 2009;91(6):1295-1304. PMID: 19487505.
  5. Ghogawala Z, Dziura J, Butler WE, et al. Laminectomy plus Fusion versus Laminectomy Alone for Lumbar Spondylolisthesis. N Engl J Med. 2016;374(15):1424-1434. PMID: 27074067.
  6. Austevoll IM, Hermansen E, Fagerland MW, et al. Decompression with or without Fusion in Degenerative Lumbar Spondylolisthesis. N Engl J Med. 2021;385(6):526-538. PMID: 34347953.

Termine & praktische Informationen

Wie vereinbare ich einen Termin?

Ihre Terminanfrage können Sie per WhatsApp, telefonisch oder über das Kontaktformular senden. Wenn Sie Ihre Beschwerden und passende Zeiten kurz beschreiben, geht es schneller; wir melden uns so bald wie möglich.

Was sollten Sie zur Untersuchung mitbringen?

Bringen Sie, falls vorhanden, aktuelle MRT- und CT-Aufnahmen, frühere Befunde und OP-Berichte sowie eine Liste Ihrer regelmäßigen Medikamente mit. Das erleichtert die Beurteilung erheblich.

Was erwartet Sie beim ersten Termin?

Wir hören uns Ihre Beschwerden und Vorgeschichte an, führen eine neurologische Untersuchung durch und sehen Ihre vorhandenen Aufnahmen gemeinsam durch. Die Behandlungsoptionen werden anschließend mit Ihnen geplant — unter Berücksichtigung Ihrer Erwartungen und Ihres Lebensstils.

Zweitmeinung

Wenn bei Ihnen andernorts eine Diagnose gestellt oder eine Operation empfohlen wurde, können Sie mit Ihren vorhandenen Aufnahmen und Befunden einen Termin für eine Zweitmeinung vereinbaren.

Kontaktieren Sie uns bei Fragen und Terminwünschen. Wir antworten so schnell wie möglich.

Termin buchen